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Vorhautverengung (Phimose) bei Jungen
Behandeln? nein, ja, vielleicht? wann?

Viele Eltern fragen sich, ob die Vorhaut ihres Säuglings, Kleinkinds und manchmal auch des Schulkinds zu eng ist und sich über Eichel ziehen lassen müsste. Muss das so sein? Ab wann sollte das möglich sein ? Sollen Eltern das überhaupt versuchen? Oder lieber gleich ärztlich untersuchen lassen?

Zunächst mal

Die Vorhaut sollte zu keinem Zeitpunkt gegen einen Widerstand über die Eichel gezogen werden. Etwa ab dem 1. Geburtstag könnten Eltern vorsichtig schauen, ob und wie weit sich die Vorhaut bewegen lässt und dann bei regelmäßiger Reinigung des Genitals und des Po Bereich auch den Penis (mit vorsichtigem Zurückziehen der Vorhaut) mit Wasser reinigen.

Eine Vorhautenge bzw. Verklebung von der Vorhaut mit der Eichel ist im Säuglings- und Kleinkindalter ein normaler Zustand, der in der Regel keine Probleme verursacht. Selbst bei Schulkindern kommt das noch häufig (10-50%) vor.

Phimose. Was ist normal und physiologisch, was ist pathologisch?

Physiologische Phimose:

  • die meisten Jungen mit enger Vorhaut haben eine physiologische Phimose durch „Verklebungen“ zwischen Vorhaut und Eichel, die sich im Allgemeinen mit der Zeit (Jahre!)  und der richtigen Vorhauthygiene lösen. Im Alter von 7 Jahren können 50% die Vorhaut nur um etwa die Hälfte zurückstreifen, mit 13 Jahren noch 10% 
  • Hautring ist eng
  • erst bei Versuch die Vorhaut vorsichtig zurückzuziehen ist die (Vorhaut-) Schleimhaut und die Harnröhre zu sehen
  • keine Narbenbildung bzw. Bildung von Bindegewebe
  • Maßnahmen: 
    • korrekte Vorhauthygiene, einschließlich sanftes Zurückziehen und Reinigung während des Badens ab dem 1. Geburtstag
    • keine Vorhautlösungen gegen Widerstand! Dies führt zu Mikroverletzungen und narbigen Verwachsungen zwischen Eichel und Vorhaut und in der Folge erst zu einer pathologischen Phimose

Pathologische Phimose:

  • Hautring ist eng
  • Vorhaut lässt sich nicht mobilisieren
  • Beim Zurückziehen der Vorhaut ist keine Schleimhaut zu sehen und der Harnröhrenausgang ist häufig permanent sichtbar
  • anstelle rosiger Haut ist häufig weißliches Binde/Narbengewebe zu sehen 
  • ca. 10 % im Alter von 3 Jahren bzw. 1% der 16jährigen haben eine pathologische Phimose
  • Die pathologische Phimose ist häufig durch familiäre Disposition, Allergien, Entzündungen, Traumata oder auch durch zu aggressives Lösen der Vorhaut verursacht. Diese führen zu sekundären Verklebungen und Vernarbungen. Selten liegt einen sogenannter Lichen Sclerosus (genetische Veranlagung, Auftreten Alter > 5 Jahre) vor.

Wen behandeln ?

  • Nur die pathologische Vorhautverengung mit „Leidensdruck“. Weder eine Ballonierung (Aufblasen der Vorhaut beim Wasserlassen ohne Schmerzen) noch (selten) wiederkehrende Entzündungen der Eichel stellen für sich eine zwingende Behandlungsindikation dar. Nur Jungen mit klinischen Problemen und Leidensdruck durch die Vorhautverengung sollen primär mit Kortisonsalbe behandelt werden. Die Indikation für eine Salbenbehandlung unterscheidet sich in ihrer Strenge nicht von derjenigen für eine operative Therapie. 
  • Bei Erfolglosigkeit der Salbentherapie soll die operative Therapie erfolgen.

Womit behandeln ?

  • Behandlung über 6 bis 8 (-12) Wochen, maximal 2 Zyklen, 2 x tgl. mit Kortisonsalbe. Die ersten 2 Wochen nur cremen, anschließend cremen mit Versuch, die Vorhaut zu mobilisieren. Erfolgsrate 60-80% (bei Lichen Sclerosus weniger effektiv)
  • operativ nur bei „Versagen“ der Salbentherapie oder in Notfällen (Harnstau, schwere Entzündung)

Zusammenfassung und unser Statement

  • Eine Vorhautverengung ist zumeist physiologisch. Sie benötigt keine Behandlung sondern eine vorsichtige Pflege
  • Eine „Ballonierung“ während des Wasserlassens und vereinzelte Infektionen sind für sich noch keine zwingende Behandlungsindikation
  • „Leidensdruck“ des Kindes u/o klinisch signifikante Harntransportstörungen u/o (häufige) Infektionen der Vorhaut/Eichel hingegen sind eine Behandlungsindikation
  • Therapie der Wahl ist zunächst eine Kortison-Salben-Therapie über 2-3 Monate. Die Indikationsstellung ist streng (nur 1-10% der Kinder mit Phimose benötigen wirklich eine Therapie). Bei Therapieversagen der Salbe ist eine operative Therapie angezeigt (selten)
Dr. Michael Dördelmann
Ihr Dr. Michael Dördelmann
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