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Meningokokken B - Impfung

Impfen ja oder nein?

Die Meningokokken-Erkrankung wird durch Bakterien verursacht. Sie ist eine sehr gefürchtete Infektionserkrankung v.a. des Gehirns/GehirnhäuMeningote (Meningitis). Der Verlauf ist besonders bei Säuglingen sehr rasch – innerhalb von Stunden sind die Kinder schwerst krank! Die Erkrankung hat eine hohe Sterblichkeitsrate und hinterlässt bei vielen Überlebenden schwere Langzeitschäden. Die meisten (60-70%) Meningokokkenerkrankungen in Deutschland sind auf Meningokokken vom Typ B zurückzuführen. Die restlichen verteilen sich auf die Meningokokken Typen A,C,W,Y

Aktuell besteht eine STIKO Routine-Empfehlung für die Impfung gegen Meningokokken C, die aber nur 12% aller Erkrankungen verursachen. 

Obwohl es seit 2013 einen zugelassenen und wirksamen Impfstoff gegen Meningokokken B in Deutschland gibt, empfiehlt die STIKO diese Impfung nur als sogenannte Indikationsimpfung – also als Impfung in spezifischen Situationen und eben nicht für alle Kinder. Das gleiche gilt für einen ebenfalls zugelassen Kombinationsimpfstoff gegen die Meningokokken Typen A,C,W,Y

Im Gegensatz dazu haben bereits verschiedene Industrieländer die Meningokokken B Impfung für alle Säuglinge in ihren Impfprogrammen erfolgreich etabliert. Ebenso gibt es Impfempfehlungen von Vertretern pädiatrischer Fachgesellschaften in Deutschland sowie einzelner Bundesländer.

 

Was wissen wir?

  • Selten (ca 0.5/100.000 / Jahr), entsprechend 250-300 /Jahr in Deutschland
  • Krankheitsgipfel während 1. Lebensjahr (50-70% aller Kinder) und Jugendliche
  • Sehr rasch und schwer verlaufende Gehirnhautentzündung, häufig mit Blutvergiftung (Sepsis)
  • Multiorganversagen mit sehr hoher Versterberate in 10–15 % (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom)
  • Mensch ist einziges Reservoir
  • Besonderes Risiko für Säuglinge:
    • unspezifische klinische Zeichen, daher vergleichsweise späte – nach wenigen Stunden (!) – Diagnose und Therapie
    • hohe Sterblichkeit (-20%)
    • schwere Langzeitfolgen der Überlebenden (-30%)
    • Impfprävention (hätte) große Bedeutung
  • 5 Meningokokken Typen (MenA, B, C, W,Y) verursachen weltweit die schweren Erkrankungen
  • Verteilung in Deutschland MenB 60-80% (v.a. Säuglinge), MenC 10-12%, MenA,W,Y 20-30%

 

MenB Impfstoff für Säuglinge

  • 4 Komponenten (Tot)Impfstoff, seit 2013 in Europa/Deutschland zugelassen
  • Ab Lebensalter 2 Monate möglich
  • Impfschema England 2 + 1 ab 3. Lebensmonat, Mindestabstand 1.+2. Impfung 2 Monate, 3. Impfung mind. 6 Monate nach der 2. Impfung
  • unerwünschte Wirkungen: Lokalreaktionen und Fieber (-40%, wenn allein gegeben, -70%, wenn gleichzeitig mit anderen Impfstoffen gegeben). Paracetamol reduziert Nebenwirkungen sehr effizient ohne den Impferfolg zu gefährden und wird „prophylaktisch“ empfohlen, wenn MenB Impfstoff im 2. Lebensmonat zusammen mit 6-fach und Pneumokokken Impfstoff gegen werden soll.
  • keine akuten oder langfristigen Sicherheitsbedenken

 

Studien zur Wirksamkeit von MenB Impfstoff in real life

  • Kanada, Grossbritannien und Italien 90-96 % Wirksamkeit (dabei je früher Impfung, desto höher Effektivität)
  • Portugal und Australien 71-79% Wirksamkeit (aber hier zum einen später geimpft – zum Teil nur Jugendliche = schlechtere Wirksamkeit)

 

Länder mit Men B Impfung in nationalen Immunisierungsprogrammen (seit)

  • Grossbritanien (2015), Irland (2016)
  • Andorra, San Marino (2016)
  • Italien (2017)
  • (Süd)Australien, Neuseeland (2018)
  • Spanien (ab 2022)

 

Länder mit MenB Impfung zugelassen und  „empfohlen“, aber nicht im Routine-Immunisierungsprogramm (auch aus Kosten-Effektivitätsgründen)

  • Österreich, Tschechien, Deutschland (einige Bundesländer)
  • USA / Kanada

 

Zusammenfassung

Impfungen gegen Meningokokken (B)
  • vermitteln v.a. einen effektiven Individualschutz
  • vermindern schwere, lebensbedrohende Infektionen und deren Komplikationen vor allem bei der mit Abstand meistgefährdeten Gruppe (Säuglinge)
  • unterbrechen Infektionsketten
  • sind sicher
  • zusammen mit der 4fach Impfung gegen die Typen A,C,W,Y statt der Einfachimpfung gegen MenC im 12. Lebensmonat könnte aktuell gegen die allermeisten der gefährlichen Meningokokken Erkrankungen geimpft werden

 

unklar und Fragen für die Zukunft:
  • Herdenschutz scheint vorhanden, Daten aber unsicher
  • Wie lange hält der Impfschutz ? Laut den britischen Daten mindestens 3 Jahre
  • Sind Booster Impfungen (genau wie Tetanus oder Keuchhusten) nötig – vor allem um eine Herdenimmunität zu erreichen

 

Unser Statement

Die individuelle Impfberatung ist generell etwas anderes, als eine nationale Impfempfehlung auszusprechen. Diese berücksichtigt weniger das einzelne Schicksal, sondern achtet mehr auf die gesellschaftliche Bedeutung. Bei der Entscheidung der STIKO ist ist/ war entscheidend, dass der Impfstoff im Wesentlichen den Geimpften schützt, aber nicht alle anderen. Eine nachgewiesene Herdenimmunität wäre einer offiziellen Empfehlung sicherlich dienlich. Hierfür gibt es zunehmend Hinweise.

Und ähnlich wie bei der Corona Impfung gilt:  Nur, weil die STIKO es nicht empfiehlt, ist es für den Einzelnen nachgewiesenermaßen ein sicherer und effektiver Impfstoff.

Dr. Michael Dördelmann
Ihr Dr. Michael Dördelmann
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