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Impfung schützt auch Säuglinge
Erste „Real live Studie“

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 während der Schwangerschaft trägt ein höheres mütterliches Risiko für einen schweren COVID-19 Verlauf, verschiedene schwere Schwangerschaftskomplikationen und gefährdet damit nicht nur die Mutter, sondern auch ihr Baby. Daher ist die SARS-CoV-2 Impfung in der Schwangerschaft ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel dringend empfohlen.

Wie sieht es nun mit dem für andere Erkrankungen bekannten „Nestschutz“ (z.B. bei Keuchhusten bis zu 3-6 Monate nach Geburt) durch die SARS-CoV-2 Impfung aus ? Verschiedene Studien konnten schon zeigen (siehe vorherige Posts auf Paedicus), dass sowohl über die Nabelschnur (Antikörper vom Typ IgG) als auch über die Muttermilch (Antikörper vom Typ IgA und IgG) neutralisierende Antikörper übertragen werden, die bis zu 3-6 Monate nach Geburt bzw. während der Stillzeit im Blut bzw. auf den Schleimhäuten des Kindes nachweisbar sind. Dieser „serologische“ Schutz lässt mit zunehmendem Abstand von der Impfung nach.

Was bisher fehlt,  ist der klinisch-epidemiologische Nachweis (wissenschaftlicher Ritterschlag), ob und wie lange diese Antikörper das Baby auch tatsächlich schützen können und ob der Zeitpunkt der Impfung eine relevante Rolle spielt.

Hier präsentieren wir euch die erste Studie, die diesen Fragen von klinischer Seite nachgegangen ist. Sie ist methodisch vergleichsweise schwach, aber die klinischen Ergebnisse „bestätigen unter Vorbehalt“ die serologischen Daten! 

Eine Impfung in der Schwangerschaft schützt nicht nur die Mutter, sondern sowohl das ungeborene als auch den jungen Säugling!

Dies ist besonders relevant, da gerade junge Säuglinge ein für Kinder vergleichsweise höheres Risiko für einen komplizierteren COVID-19 Verlauf haben und es in naher Zukunft auch keine Impfung für diese Altersgruppe geben wird.

Die Studie

Design:

  • retrospektive Fall-Kontrollstudie, USA
  • 20 Kinderkliniken in 17 US-Staaten
  • Juli 2021 bis Januar 2022 (Delta UND Omikron, aber nicht differenziert)
  • Säuglinge (Alter < 6 Monate) WEGEN COVID-19 stationär behandelt
  • COVID-19 N=176, Kontrollen N=203


Fragen:

  • Wie wahrscheinlich muss ein Säugling mit COVID-19 stationär behandelt werden, wenn seine Mutter während der Schwangerschaft 2 x gegen SARS-CoV-2 geimpft wurde? 
  • Spielt der Impfzeitpunkt eine Rolle?


Ergebnisse

Geimpfte Mutter: Säuglinge erkranken auch, aber deutlich seltener und leichter

  • Säugling stationär 28/176 (16 %)
  • Säugling intensivpflichtig 4/43 (12%)
  • verstorben 0/1


ungeimpfte Mutter: Säuglinge erkranken häufiger UND schwerer

  • stationär 148/176 (84%)
  • intensivpflichtig   39/43 (88%) 
  • verstorben 1/1


kein Säugling erkrankte an PIMS

Impfeffektivität

  • Impfung irgendwann in der Schwangerschaft: 61%
  • Impfung vor 20. SSW: 32%
  • Impfung nach 20. SSW: 80%


Schwächen der Studie

  • Geringe Fallzahl zur Beantwortung der Frage (hohe Konfidenzintervalle!)
  • Virus Variante nicht differenziert
  • Keine Daten zur SARS-CoV-2 Infektion vor/während der Schwangerschaft (Hybrid-Immunität?)
  • Keine Daten bzgl. „Verhaltensmaßnahmen“ zur COVID Prävention


Unsere Interpretation

  • Die Impfung in der Schwangerschaft vermindert die Wahrscheinlichkeit für einen Säugling, dass er wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden muss und, dass der Verlauf schwer ist
  • Eine Impfung / Booster im 2./3. Schwangerschaftsdrittel ist effektiver
  • Ob diese Ergebnisse auf die Omikron-Variante übertragen werden können, ist unklar und auch unsicher! Die aktuellen Impfstoffe schützen gegen die Omikron Variante vor allem durch hohe Antikörperspiegel nach Booster und spezifische Abwehrzellen. Antikörperspiegel fallen 3-6 Monate nach Impfung wieder und die Abwehrzellen werden weder über die Nabelschnur noch über die Muttermilch in relevanter Menge übertragen! 
  • Wenn auch mit methodisch nicht (abge-)sicherten Daten interpretiert, ist der positive Effekt einer SARS-CoV-2 Impfung in der Schwangerschaft für den Säugling zu sehen. 
  • Die Impfung der Mutter während der Schwangerschaft ist mindestens eine sehr gute (Zusatz-) Möglichkeit, unsere jüngsten vor SARS-CoV-2 zu schützen. Der Wert der SARS-CoV-2 Impfung für die Mutter ist unbestritten. Die Effekte für den Säugling sind in jedem Fall hilfreich!

Quellen:

Halasa NB et al. Effectiveness of Maternal Vaccination with mRNA COVID-19 Vaccine During Pregnancy Against COVID-19–Associated Hospitalization in Infants Aged <6 Months — 17 States, July 2021–January 2022. Morbidity and Mortality Weekly Report (MMRW)https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/71/wr/mm7107e3.htm?

Dr. Michael Dördelmann
Ihr Dr. Michael Dördelmann
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