CoVid 19 und Corona Impfung bei Kindern (5-11 Jahre) im Dezember 2021

CoViD 19 bei Kindern

CoVid 19 verläuft bei Kindern mit den bisherigen Varianten  Deutschland vergleichsweise harmlos    (DGPI Daten aus Deutschland, Stand Ende November/Anfang Dezember)

Krankheitsrisiken

  • Versterben
    • < 0.1 %, 32 Kinder verstorben, davon 25 mit Vorerkrankungen
  • Überschiessende Immunreaktion (Inflammatorisches Multiorgan-Syndrom: PIMS)
    • 2 – 6/100.00 Kinder (v.a. 5- 11 jährige), 477 Kinder, bisher kein Todesfall
  • Long CoVid noch unklar, kommt aber auch bei Kindern (aber viel seltener als bei Erwachsenen) vor. Ist unabhängig vom Schweregrad der Infektion
    • 1 – 2 (-4)%, Problem: wenig (gegen nicht infizierte vergleichende und  v.a. KONTROLLIERTE) Studien, daher aktuell keine gut fundierte Aussage möglich

 

Und hier eure Fragen:

Was ist besser für mein Kind Kind ? An Corona zu erkranken oder die Corona Impfung?
Das heisst, bei welcher Entscheidung ist die Wahrscheinlichkeit für Probleme bei meinem Kind höher ?
Gibt es neben den puren körperlichen Gesundheitsaspekten vielleicht noch andere Erwägungen ?

Generell lässt sich nach bisherigen Daten für ALLE Altersgruppen feststellen:

  • Die Impfung hat nach den Zulassungsstudien eine Effektivität zwischen 90-95% Schutz vor Erkrankung gegen die bisherigen Virusmutanten (inklusive Delta)
  • Die Krankheitslast durch CoVid 19 ist – auch bei Kindern – höher als potentielle Nebenwirkungen der Impfung
  • Die SOMATISCHE Krankheitslast bei Kindern ist vergleichsweise sehr gering (s.o.) und überhaupt nicht vergleichbar zu den Erwachsenen
  • Aber: Die psycho-emotional-soziale Krankheits-/Lockdownlast ist erheblich !
  • Daher ist es wichtig, sich so sicher wie möglich zu sein, dass durch die Impfung keine gefährlichen Impfnebenwirkungen auftreten. Das ist auch der Grund, weshalb die STIKO die Impfung der 5-11 jährigen nur für die Kinder mit Risikofaktoren ausdrücklich empfiehlt
 
Was ist aktuell über Nebenwirkungen und damit über die Sicherheit der Corona Impfung in den Altersgruppen 0-11 Jahre bekannt ?

Corona Impfung für Kinder jünger 5 Jahre = aktuell noch „Off label“ Impfung

  • Off label heisst: nicht für diese Altersgruppe zugelassen
  • Bisher keine ausreichenden Daten zur Sicherheit, Krankheitlast durch CoVid19 sehr gering
  • Daher – von individuellen, ganz seltenen Ausnahmen abgesehen – aktuell keine Impfung
  • Die Kinder haben sicher eine (allerdings vergleichsweise untergeordenete) epidemiologische Bedeutung als potentieller Virusüberträger, zumal sie häufig gar keine oder nur unspezifische Symptome zeigen. Denn gerade diese Gruppe kann im Infektionsfall praktisch nicht isoliert werden und ist auf sehr engen Körperkontakt angewiesen
  • DENNOCH: Da es derzeit überhaupt (a) keine ausreichenden Sicherheitsdaten für diese Altersgruppe gibt, (b) die Krankheitslast sehr gering ist UND es (c) Millionen anderer Menschen in Deutschland gibt, die 1. ein höheres Risiko und 2. ausreichend Sicherheitsdaten haben, sollten diese zunächst geimpft und/oder geboostert werden
 
Corona Impfung  5-11 Jahre

STIKO Empfehlung vom 09.12.21: Kinder mit Risikofaktoren (siehe unten) UND/ODER Kontakt zu Hoch-Risikopersonen („hochbetagte“, Immunsupprimierte) in ihrem Umfeld SOLLEN geimpft, alle anderen (ohne Kontraindikationen) KÖNNEN geimpft werden!

SOLLEN: Kinder 5-11 Jahre mit Risikofaktoren:

  • Schweres Übergewicht, Diabetes mellitus Typ 1
  • Schwere Herz-, Lungenerkrankungen
  • Immundefekte, maligne Erkrankungen
  • Schwere Nerven oder Muskelerkrankungen
  • Syndromale Erkrankungen mit schwerer Beeinträchtigung

 

KÖNNEN: Kinder 5-11 Jahre ohne Risikofaktoren:

  • die Krankheitslast ist auch bei Kindern mit CoVid 19 höher als die potentiellen Nebenwirkungen der Impfung (s.u.)
  • das Risiko, einen schweren CoViD 19 Verlauf zu erleiden um ein vielfaches geringer als bei Erwachsenen

 

  • Was ist zu den relevanten, also potentiell gefährlichen Nebenwirkungen bekannt?
    • In der Zulassungsstudie gab es keine, aber die Zahl der untersuchten Kinder war viel zu gering, um eine Aussage zu seltenen Nebenwirkungen treffen zu können
    • bisher sind alle relevanten Nebenwirkungen < 4-6 Wochen nach Impfung aufgetreten
    • Dennoch impfen schon einige westlichen Industrienationen. USA seit 03.11.21, Israel seit 15.11.21, Kanada seit 19.11.21, Dänemark seit 01.12.21 und erfassen zentral die Impfnebenwirkungen. Und hier sind die Daten !
    • USA Daten aus dem Center of Disease Control (CDC) 06.12.21:
    • 4,8 Millionen Erst-Impfungen, 1,2 Mill Booster-Impfungen. Bisher nur leichte Impfreaktionen, keine Probleme (keine Myokarditis, Perikarditis)
 
Was also tun?
  • Durch jetzt stark zunehmende SARS-CoV-2-Ausbreitung unter Kindern im Winter, wird die Zahl der schweren Krankheitsverläufe (v.a. PIMS) und Long CoVid in dieser Altersgruppe vermutlich steigen. Was die OMICRON (oder auch folgende) Variante anrichtet wissen wir nicht
  • der direkte Schutz der Geimpften ist natürlich auch – wenn auch aktuell ein eher schwaches – Argument
  • ABER: sicher wichtige Indikationen sind (bei sicherem Impfstoff, s.o.), ähnlich wie bei den >12 jährigen, die Verhinderung / Verminderung psycho-emotional-sozialer Folgen.                              Diese entstehen durch:
    • generelle Ängste / Unsicherheiten in dieser Altersgruppe bzgl. Corona
    • Isolation im Kontakt-/Krankheitsfall
    • potentielle Lockdown-Massnahmen

Diese Folgen sind bereits in mehreren Studien eindrücklich durch einen starken Anstieg psychiatrischer Krankheitsbilder wie Angst- und Zwangsstörungen sowie Essstörungen (Magersucht und Adipositas) dokumentiert

 
Und wie sieht es Hinblick auf die neue Omicron Variante aus?
  • Erste Daten aus Südafrika zeigen eine deutlich höhere Infektiösität und auch Krankheitslast – auch für Kinder !
  • Aber Daten aus Südafrika sind nicht einfach auf Deutschland übertragbar, insoweit muss man erstmal abwarten
  • Bzgl. Impfung: aktuelle deutsche Labor(IN VITRO)daten zur Neutralisierungsaktivität der Antikörper zeigen nach 2-fach-Impfung mit egal welcher Impfstoffkombination: 0% Neutralisation und mit Booster: 25 %. Bei Delta sind es 95 %
  • Aber: Die Reduktion der Neutralisationsaktivität bedeutet NICHT, dass die Impfung nicht schützt ! Der reale Immunitätsverlust ist vermutlich (bzw. hoffentlich) viel geringer
  • Die Antikörper sind nur ein Teil der Immunantwort bzw. des Immunschutzes. Antikörper wirken an vorderster, erster „Front“ und verhindern zunächst vor allem die Infektion über die Schleimhäute und Verteilung über die Blutbahn
  • Die auch gebildeten Abwehrzellen hingegen wirken langsamer, aber auch längerfristiger. Sie verhindern vor allem schwere Krankheitsverläufe. Und das ist die aktuelle Hoffnung. Daten gibt es dazu aber noch nicht
  • Also sind und bleiben aktuell auch hier Impfungen und Booster der bestmögliche Schutz
  • Es wird aber wahrscheinlich eine Anpassung der Impfstoffe (ähnlich wie bei den jährlichen Grippe-Impfstoffen) geben müssen 
 
Unsere  Zusammenfassung / Schlussfolgerung:

Die Impfung von Kindern (mit zugelassenen Impfstoffen) ist immer besser als die Infektion, solange die potentiellen Infektionskomplikationen höher sind als die der Impfung.

Die Impfung schützt:

  • euer Kind
  • seine Umgebung (dies sollte aber kein „Hauptgrund“ sein, solange andere impfbare Altersgruppen nicht geimpft u/o ausreichend geboostert sind)

 

Die Impfung vermindert:

  • die Wahrscheinlichkeit, dass sich (vielleicht gefährlichere) Varianten entwickeln
  • sowohl Wahrscheinlichkeit als auch Dauer für das Kind, nach Viruskontakt von Alltagsaktivitäten (Freunde, Kita, Schule, Vereine etc) ausgeschlossen zu sein
  • die Wahrscheinlichkeit von Isolations- und Lockdownmassnahmen für Kinder

 

Die Impfung ist sicher. Auch für Kinder

  • Es gibt aktuell kaum einen rationalen Grund, der gegen die Impfung bei Kindern von 5-11 Jahren spricht
  • Der Verzicht auf eine Impfung ist keinesfalls eine risikofreie Entscheidung, sondern eher eine Entscheidung, andere und grössere Risiken einzugehen
 
 
 
 
Astrid Lindgren:
„Es gibt kein Alter, in dem alles so irrsinnig intensiv erlebt wird wie in der Kindheit. Wir Großen sollten uns daran erinnern, wie es war“
 
Dr. D:
„Lasst uns den Kindern ihre Kindheit soweit wie möglich zurückgeben“.

Quellen:

Ihr Dr. med Michael Dördelmann