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Antibiotika-assoziierte Durchfälle – können Probiotika helfen?

Antibiotika-assoziierte Durchfälle – können Probiotika helfen?

Wir haben euch Grundlagen der Antibiotika- und Probiotika-Therapie aufbereitet und präsentieren euch dazu Ergebnisse einer aktuellen Studie von internationalen Kinderärzt*innen.

Antibiotika-assoziierte Durchfälle und ihre Ursachen

Die Sorge vor dem Auftreten von Durchfällen nach einer Antibiotika-Therapie ist durchaus nicht unberechtigt: Eine Behandlung mit einem Antibiotikum kann bei verschiedenen Erkrankungen (z.B. Lungenentzündungen, ausgeprägte Mittelohrentzündungen oder bestimmte Formen der Mandelentzündung) auch bei Kindern notwendig sein. Antibiotika wirken auf verschiedene Weise gegen die bakteriellen Krankheitserreger – die behandelnden Ärzt*innen wählen dabei bereits eine Medikamentengruppe, die sich vor allem gegen die ursächlichen Bakterien der Erkrankung wendet. Der menschliche Körper ist jedoch normalerweise von vielen verschiedenen Bakterienstämmen besiedelt – diese sind häufig keine Krankheitserreger, sondern haben wichtige Funktionen. Es lässt sich leider nicht immer vermeiden, dass durch eine Antibiotika-Therapie auch die „guten“ Bakterienstämme geschwächt oder angegriffen werden.

Eine gefürchtete Nebenwirkung einer Antibiotika-Therapie ist aus diesem Grund das Auftreten von Durchfällen – die sogenannten Antibiotika-assoziierten Durchfälle (englisch: antibiotic-associated diarrhea, AAD). Die Ursache hierfür ist häufig, dass die Zusammensetzung der Bakterienstämme im Darm (das sogenannte „Mikrobiom“) aus dem Gleichgewicht gerät. Die „guten“ Bakterienstämme sind in der Unterzahl und die „schlechten“ und potentiell schädlichen Bakterien können sich vermehren. Es kommt zu Bauchschmerzen und wässrigen Durchfällen, typischerweise bereits wenige Tage nach der ersten Einnahme des Antibiotikums. Am häufigsten sind Kinder unter 2 Jahren von Antibiotika-assoziierten Durchfällen betroffen.

 

Auch wenn es sich um eine unangenehme Begleiterscheinung für die ohnehin bereits angeschlagenen Kinder handelt, sollte man sich von diesem Risiko nicht von einer Antibiotika-Therapie abbringen lassen, sofern sie tatsächlich angeraten ist (Mediziner*innen sprechen häufig auch von „indiziert“). In der Regel sind Antibiotika-assoziierte Durchfälle selbstlimitierend – das heißt, dass die Beschwerden sich auch ohne eine Behandlung wieder bessern. Betroffene Kinder können mithilfe einer gut verträglichen Ernährung unterstützt werden (z.B. keine fettigen oder scharfen Speisen) und genug Flüssigkeit zu sich nehmen. Wissenschaftler*innen und Kinderärzt*innen forschen währenddessen weiter nach möglichen Behandlungen, um Antibiotika-assoziierte Durchfälle zu mildern oder ihre Dauer zu verkürzen. Immer wieder im Gespräch sind unter anderem die sogenannten Probiotika.

Was sind Probiotika?

Probiotika enthalten verschiedene kleinste Organismen wie Bakterienstämme oder Hefen, die in Form von Kapseln oder über die Nahrung aufgenommen werden und sich positiv auf das Mikrobiom des Darms auswirken sollen. Joghurt ist mit seinen enthaltenen Milchsäure-Bakterien zum Beispiel eine natürliche Form eines Probiotikums. Aus diesem Grund wird ihm bei Antibiotika-assoziierten Durchfallerkrankungen ein positiver Effekt zugeschrieben.

Können Probiotika nun bei Antibiotika-assoziierten Durchfällen helfen?

Eine große vergleichende Studie der Cochrane Datenbank (Guo et al., 2019) konnte insgesamt eine mäßige (das heißt weder besonders starke noch besonders schwache) Wirksamkeit von Probiotika bei Antibiotika-assoziierten Durchfällen bestätigen. Verglichen mit einer Placebo-Gruppe, in der kein Wirkstoff angewendet wurde, traten Antibiotika-assoziierte Durchfälle bei Anwendung von Probiotika seltener auf. Die Studie verglich dabei viele einzelne Studien, in denen unterschiedliche Zusammensetzungen und Dosierungen von Probiotika getestet wurden. Wovon die einzelnen Effekte dabei genau abhängig waren, konnte besonders für Kinder bisher noch nicht eindeutig belegt werden. Es ist möglich, dass die positiven Effekte von der Dosis oder der Art der probiotischen Bakterienstämme abhängig sind. In der Studie wird weiterhin noch einmal betont, dass Probiotika zwar bei ansonsten gesunden Kindern keine schwerwiegenden Nebenwirkungen hervorrufen, jedoch bei Kindern mit geschwächtem Immunsystem oder dauerhaft einliegenden Kathetern nicht angewendet werden sollten. In diesen Fällen können die normalerweise unschädlichen Bakterienstämme aufgrund des geschwächten Immunsystems schwere Infektionen auslösen.

Ergebnisse einer aktuellen Studie

Eine aktuelle Studie (Lukasik et al., 2022) hat nun untersucht, ob sogenannte Multispezies-Probiotika auch zur Vorbeugung von Antibiotika-assoziierten Durchfällen genutzt werden können, sodass dieser unerwünschte Nebeneffekt gar nicht erst auftritt. Die Studie wurde von Februar 2018 bis Mai 2021 an insgesamt 350 Kindern im Alter zwischen 3 Monaten und 17 Jahren durchgeführt. Es wurden sowohl Kinder in die Studie eingeschlossen, die stationär im Krankenhaus als auch ambulant mit einem Antibiotikum behandelt wurden. Das Multispezies-Probiotikum beinhaltete in diesem Fall acht verschiedene Bakterienstämme und wurde während der Antibiotika-Einnahme sowie anschließend bis 7 Tage nach Ende der Therapie verabreicht. In der Studie wurde wieder eine Placebo-Gruppe ohne Wirkstoffgabe mit einer Gruppe von Kindern verglichen, die Probiotika erhalten haben.

Die Studie ergab, dass dem angewendeten Multispezies-Probiotikum kein eindeutiger Effekt auf Antibiotika-assoziierte Durchfälle zugewiesen werden kann. Insgesamt war jedoch in der Probiotika-Gruppe das allgemeine Risiko für Durchfall (ob nun durch ein Antibiotikum ausgelöst oder aufgrund von anderen Ursachen) sichtbar verringert. Dass der positive Effekt auf Antibiotika-assoziierte Durchfälle konkret nicht messbar ist, führen die Wissenschaftler*innen weniger auf das angewendete Probiotikum zurück, sondern auf die eher strikte Definition der Antibiotika-assoziierten Durchfälle. So dürfte man streng genommen erst von Antibiotika-assoziierten Durchfällen sprechen, wenn sich in einer Untersuchung keine anderen typischen Durchfallerreger finden lassen. Kinderärzt*innen haben jedoch nicht immer die Möglichkeit, eine solche Untersuchung durchzuführen. Es ist also auch möglich, dass die Probiotika gegen andere Ursachen von Durchfällen bei Kindern wirken und diese positiven Effekte in der Studie nur „zufällig“ gemessen wurden.

Fazit?

Bei Kindern ohne Vorerkrankungen und ohne Immunschwäche können Probiotika während einer Antibiotika-Therapie durchaus angewendet werden, um das Risiko für begleitende Durchfälle zu verringern. Die Entscheidung für oder gegen eine probiotische Therapie kann im Einzelfall am besten gemeinsam mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin getroffen werden.

Quellen:

Łukasik J, Dierikx T, Besseling-van der Vaart I, de Meij T, Szajewska H, Multispecies Probiotic in AAD Study Group. Multispecies Probiotic for the Prevention of Antibiotic-Associated Diarrhea in Children: A Randomized Clinical Trial. JAMA Pediatr. 2022;176(9):860–866. doi:10.1001/jamapediatrics.2022.1973

 

Guo Q, Goldenberg JZ, Humphrey C, El Dib R, Johnston BC. Probiotics for the prevention of pediatric antibiotic-associated diarrhea. Cochrane Database of Systematic Reviews 2019, Issue 4. Art. No.: CD004827. DOI: 10.1002/14651858.CD004827.pub5

 

https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/bei-durchfall-durch-antibiotika-auf-scharfes-und-fettes-essen-verzichten/

Dr. Michael Dördelmann
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